Urteil: Haarausfall als Behinderung

Di, 06/11/2019 - 14:37

haircoaching - Vor dem Landessozialgericht Niedersachsen-Bremen (LSG)  klagte eine 55-jährige Frau, die an Schuppenflechte und kreisrundem Haarausfall litt. Bei dem Verfahren ging es darum, ob die Krankenkasse lediglich eine Standardperücke oder der Klägerin eine maßgefertigtes Echthaarteil erstatten muss. Das LSG Niedersachsen-Bremen stellte fest, dass ein teilweiser Haarverlust bei einer Frau bereits eine Behinderung sei. (Urt. v. 26.03.2019, Az. L 4 KR 50/16) und somit die Krankenkasse der Frau die gesamten Kosten für das Echthaarteil erstatten muss.
Den Anspruch leitete der Senat aus § 33 Abs. 1 Satz 1 Fünftes Sozialgesetzbuch (SGB V) ab, der besagt, dass Versicherten Hilfsmittel zustehen, um eine Behinderung auszugleichen. Da die Richter den partiellen Haarverlust bei einer Frau als eine Behinderung in diesem Sinne betrachteten, stünde ihr das Hilfsmittel zu, um die Selbstbestimmung zu fördern und gleichberechtigt am gemeinschaftlichen Leben teilnehmen zu können. Im Einzelfall könne ein maßgefertigtes Echthaarteil aus medizinischen Gründen erforderlich sein. Dann könne die Versicherte nicht gezwungen werden, eine Perücke aus Kunsthaar zu tragen.
Der Senat stützte sich vor allem auf die Ausführungen des behandelnden Dermatologen, der riet aufgrund der Schuppenflechte davon abriet, das restliche Haar vollständig mit einer Perücke zu verdecken. Eine Kunsthaarperücke zum Festbetrag stellte somit nach Ansciht des LSG keine zweckmäßige Versorgung dar.
Dieses Urteil könnte auch für Frauen mit vernarbendem Haarausfall eine Orientierung sein, da diese Betroffenen meist nur einen Teil des Kopfes bedecken müssen.

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