Ruxolitinib und Tofacitinib gegen Alopecia areata

Di, 11/25/2014 - 20:23

haircoaching.de - Im Sommer 2014 schwirrten zwei Namen von Medikamenten durch den Pressewald, die Menschen mit Alopecia areata Hoffnung machen sollen: Ruxolitinib und Tofacitinib. Über direkte Mails und über die sozialen Netzwerke wurden wir bombardiert mit Nachfragen von Betroffenen, was es damit auf sich habe. Wir haben unsere Experten hierzu befragt.
Ruxolitinib wurde in den USA im Jahr 2011 zugelassen bei der Myelofibrose, einer chronischen Erkrankung des Knochenmarks. Tofacitinib wird zur Behandlung der rheumatoiden Arthritis eingesetzt. Bei der rheumatoiden Arthritis handelt es sich wie bei der Alopecia areata um eine sogenannte Autoimmunerkrankung.
Im Sommer 2014 publizierten Wissenschaftler aus den USA Ergebnisse einer Studie in der Zeitschrift Nature Medicine. Doch sollte man hier vor allem vorsichtig mit dem Begriff "Studie" umgehen. An Mäusen und an nur drei Patienten wurden die sogenannten Januskinasen(JAK)-Inhibitoren (Tofacitinib und Ruxolitinib) getestet, die den Angriff des Immunsystems blockierten und das Haarwachstum wieder anregten.
Viele Areata-Betroffene kennen jedoch das für die Alopecia areata typische Spontanwachstum. Eine Studie mit drei Patienten besitzt nach unserer Meinung keine Aussagekraft.
Aufgrund unterschiedlichster Studien die weltweit parallel laufen, weiß man, dass es einige verantwortliche Genloci (= physische Positionen eines Gens im Genom) gibt, die auch bei anderen Autoimmun-Erkrankungen eine Rolle spielen. Besonders interessieren sich die Wissenschaftler hier für CTLA 4, HLA und die JAK Kinasen. Was ist das?
CTLA 4 ist ein Protein, das bei der Regulierung des Immunsystems eine wichtige Rolle spielt. HLA ist eine Abkürzung für das humane Leukozytenantigen-System, einer bekannten Gruppe menschlicher Gene und bei Kinasen handelt es sich um Enzyme. Die JAK, Kurzform für Januskinasen, sind zytoplasmatische (Zytoplasma = der gesamte lebende Inhalt einer Zelle) Tyrosinkinasen (= Enzyme aus der Familie der Proteinkinasen), die mit Zytokin-Rezeptoren assoziiert sind. Wir sehen, dass wir uns mit der Erforschung der Zusammenhänge und möglichen Auslöser für Autoimmunerkrankungen wie die Alopecia areata auf ein hochkomplexes Gebiet begeben, die Genforschung. Dr. Angela Christiano und Dr. Regina Betz sind zwei wichtige Namen, die man sich in Zusammenhang mit der Forschung nach den genetischen Ursachen der Alopecia areata merken muss.
In den USA läuft außerdem momentan eine kontrollierte Studie zu dem ebenfalls bei Rheuma angewendeten Mittel Abatacept.
Es bleibt festzuhalten, dass alle oben genannten Therapieansätze keine dauerhafte Behandlung darstellen können. Zum einen sind die Therapiekosten erheblich und bewegen sich in einer jährlichen Größenordnung von 5-stelligen Eurobeträgen. Zum anderen sind die Nebenwirkungen beträchtlich. Bei Tofacitinib ist die Wahrscheinlichkeit eines Malignoms erheblich. Nicht umsonst hat die europäische Arzneimittel-Agentur, EMEA, die Zulassung bisher verweigert.
Es bleibt abzuwarten, ob größere und umfassendere Studien weitere Erkenntnisse in dieser Richtung bringen werden.
 

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